Dienstag, 5. August 2008

5.8. Shekhawati-Delhi

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Die letzte Fahrt begann schon um halb neun. Wir hatten sechs bis sieben Stunden Reise vor uns, da die Strassen wegen dem Regen teilweise nicht befahrbar war, erwarteten wir, dass wir eher später als geplant ankommen würden. Ein letztes Mail hielten wir bei zwei Inderinnen an, um ihnen Shampoo zu schenken und sie zu fotografieren. Als wir bei einem kleinen Geschäft mit einem grossen Schild, auf dem ein orange gekleideter Guru abgebildet war, hielten wir nochmal an um Ayurveda-Shampoo zu kaufen. Innerhalb weniger Minuten hatten sich etwa zwanzig Männer vor dem Laden versammelt und starrten uns an. Plötzlich war Mr. Rampal verschwunden. Als er zurück kam, brachte er seine Frau mit. Er hatte uns zwar angekündigt, dass er uns seine Frau vorstellen würde, wir hatten aber alle nicht erwartet, dass er das Mitten auf der Strasse dieses Dorfes tun würde. Sie war sehr schüchtern und kaum sassen wir wieder im Auto, schickte Mr. Rampal sie weg. Er erklärte später, dass er Beruf und Familie eigentlich strikt trennt. Nicht lange Zeit später erreichten wir das Haus der Tochter von Mr. Rampals Frau Schwester. Die Frau unseres Fahrers hatte uns etwas zu essen mitgegeben. Wir wurden in ein Schlafzimmer (ohne Fensterscheiben) geführt, wo wir unser Mittagessen serviert bekamen: ein Curry, Chili, Japati, Roti, ewas wie ein Gemüseeintopf, etwas, das wie Oliven aussah und schmeckte, aber dennoch keine Oliven waren, dazu ein Lassi und zum Dessert einen Tee. Einen Teil der Mahlzeit hatte die Familie (nicht Rampals Frau) zubereitet. Etwas verschämt, aber voller Genuss assen wir unseren Lunch. Als wir den kleinen Wasserbüffel vor der Hütte fotografierten, wurde seine die Büffelmutter ganz nervös, begann hin und her zu gehen und zu "knurren". Unser Fahrer erklärte uns, dass das Kleine erst vor fünf Tagen zur Welt gekommen war. Als wir uns verabschiedet hatten, gings weiter. Bei einem kleinen Dorf war die Strasse wegen dem Regen unterbrochen, weshalb wir durch die engen Kurven des Örtchens fuhren. Überall wurde wir von winkenden Kindern und lachenden Frauen begrüsst.
Als wir in Delhi ankamen, besuchten wir zuerst eine Mall, da aber am Dienstag eigentlich der gesetzliche Ruhetag ist, waren viele Läden geschlossen. Wir verliessen die Mall bald und liessen uns an einen Markt fahren (in einem Militärgebiert, da unser Fahrer stets Angst um uns hatte und uns dort sicher wusste), weil die erste Bank aber nicht funktionierte, fuhren wir an einen anderen Markt, dort spazierten wir eine halbe Stunde, dann liessen wir uns zum Flughafen bringen. Schon auf dem Weg begann sich Mr. Rampal von uns zu verabschieden. Wir sollten ihm doch schreiben, wenn wir heiraten, und dann mit unseren Männern wieder kommen, und auch mit meiner Mutter, und auch wenn wir sonst wieder kommen oder unsere Freunde kommen, sollen wir bei Cox and Kings (unsere Reisegesellschaft) ihn verlangen. Wir könnten auch drei Tage bei ihm wohnen, natürliche Sachen essen und spazieren gehen. Er bat uns, ihm zu schreiben und ihm Fotos zu schicken, und sagte, dass wir nette Menschen sind. Am Flughafen verabschiedeten wir uns schweren Herzens von unserem Driver und Bodyguard. Die Reise geht unweigerlich ihrem Ende zu. Um 1:20 geht das Flugzeug.
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Montag, 4. August 2008

4.8. Bikaner - Shekhawati

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Um neun gings los Richtung Mandawa. Da unser Fahrer gemerkt hatte, dass wir gerne Kontakt mit Menschen haben, versuchte er Frauen zu überreden, dass wir sie fotografieren dürfen und ihnen dafür Shampoos schenken. Was bisher überall geklappt hatte, funktionierte hier gar nicht. Die Frauen waren alle sehr schüchtern. Schliesslich konnte er trotzdem ein Mädchen und eine alte Frau überzeugen, welche, kaum hatten wir ihnen 15 Rupien gegeben, ein Tuctuc riefen und sich heimfahren liessen. Sonst verlief die Reise ohne Unterbruch, ereignislos wäre aber das falsche Wort, da für mich auch nach zehn Tagen jedes Haus noch aufregend ist. Als wir ein kleines Dorf kurz vor Mandawa erreichten, welches in einer Vertiefung liegt, war alles überschwemmt. Kein vernünftiger Schweizer würde solche Pfützen im Auto durchqueren, in Indien tun es alle.
In Mandawa betrachteten wir mit unserem Guide die mit Fresken bemalten Havelis. Die Bilder sind circa 150 Jahre alt, werden aber kaum geschützt oder restauriert, da es Privathäuser sind. Die Regierung ist dabei ein Gesetz durchzusetzen, dass die Bewohner der Havelis entweder die Fresken restaurieren oder das Haus der Regierung verkaufen müssen. Die vier Hauptmotive der Bilder sind hinduistische Mythologie, das Alltagsleben, englische Einflüsse und Erotik. Die Havelis in Mandawa sind immer gleich aufgebaut: Es gibt zwei Innenräume, im ersten ist auf einer Seite der Raum des Buchhalters (da die Bewohner Mandawas alles begnadete Kaufmänner waren), auf der anderen Seite ist das Gästezimmer. Im zweiten Innenraum wohnte die Familie. Die Schlafzimmer der alten Leute waren im Erdgeschoss, die der jüngeren waren im ersten Stock. In Indien ist es immer noch so, dass die ganze Familie in einem Haus wohnt, was dann etwa 40 bis 50 Menschen sein können. Als es donnerte, hörten wir viele Pfaue schreien (das tönt ähnlich wie das Miauen von Katzen). Unser Guide erklärte uns, dass Pfauen einerseits wenn es sehr warm ist nach Wasser schreien, andererseits aber Angst vor Regen haben und auch deshalb brüllen. Nach der Besichtigung assen wir in einem kleinen Restaurant, dann fuhren wir in unser Hotel in Alsisar. Alsisar ist ein kleines, schmutziges Dörfchen ohne Markt. Viele Maharajas, die es auch heute noch gibt, aber keine politische Macht mehr haben, liessen ihre Paläste in Hotels umfunktionieren, in einem solchen Hotel schliefen wir heute Nacht. Als wir mit unserem Auto in den Hof fuhren, begannen einige Angestellte ohrenbetäubende Musik mit Flöte, Gesang und Trommel zu spielen. Uns kugelnd vor Lachen und Erstaunen stiegen wir aus, kriegten einen Punkt auf die Stirn und einen grässlichen Welcome-Drink, dann betraten wir unser Zimmer, das uns wieder einmal den Atem verschlug: Es war wie aus einem Märchen. Ein Bild, das ich im Internet gefunden und lange als Desktophintergrund benutzt hatte (Krishna und seine Frau auf einer Schaukel) hing in unserem Zimmer. Zufall oder Schicksal? Wir machten noch einen Spaziergang durch das Dorf, wo es unzählige einst wunderschöne, nun verlotternde Häuser hat und man das Gefühl bekommt, dass fast nie Touristen das Dorf besuchen. Das Abendessen nahmen wir im Restaurant des Hotels zu uns, im Dorf gab es dazu keine Möglichkeit. Nun heisst es Packen und sich langsam, zweifelnd und unwillig mit dem Gedanken der Heimkehr anzufreunden.
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Sonntag, 3. August 2008

3.8. Jaisalmer - Bikaner

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Heute ging die Reise bereits um halb neun los. Da im Hotel in Jaisalmer die Klimaanlage nicht wirklich funktionstüchtig war, hatten wir alle schlecht geschlafen und waren sehr müde. Unseren ersten Halt legten wir bei einer Horde Kinder ein. Sie waren schmutzig und genauso wie die anderen Kinder hell begeistert, als ich ihnen ihr Bild auf der Kamera zeigte. Wir schenkten ihnen Shampoo und Seifen, die wir von den Hotels gesammelt hatten, und weiter ging die Fahrt. Plötzlich hielt unser Fahrer wieder an und machte uns auf die zahlreichen Schmetterlinge aufmerksam, die am Strassenrand herumflatterten. Diese Schmetterlinge sind nur in solchen Massen vorhanden, wenn es gut geregnet hat. Leider halten sie sich am liebsten bei der Strasse auf, weshalb sie oft gegen die Scheiben der Autos und Lastwagen fliegen und sterben, aber es war wunderschön, ihnen zuzuschauen, es wirkte fast, als ob es leicht schneien würde. In einem kleinen Lokal assen wir für wenig Geld ein leckeres Mahl. Wenn man in Indien an einem Bahnübergang warten muss, bis der Zug vorbeigefahren ist, kriegt man gratis ein Mus aus Linsen, Zucker und Nüssen. Unser Fahrer erklärte, dass die meisten Menschen die Speise in Plastiksäcke schütten und später essen oder weiterverarbeiten. Nach dem Mittagessen besuchten wir noch einen heiligen See, der auf dem Weg nach Bikaner war. Er war so voller Lotus, dass wir unseren Augen kaum trauen konnten. Man fährt durch die Wüste und plötzlich fährt man vor einem Gewässer voller blühenden Blumen. An einer anderen Stelle am See, an die wir fuhren um Fotos zu machen, kamen sofort Bettelkinder angerannt. Meine Mutter schenkte ihnen Bananen, die sie sofort heisshungrig verschlangen. Mr. Rampal erklärte uns darauf, dass ihr das grosses Glück bringe, da sie vor einem heiligen See Arme beschenkt habe.
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In Bikaner angekommen, erwartete uns unser Guide um uns das Fort zu zeigen. Bikaner ist weltweit bekannt für seine Kamelzucht und für seine botanischen Zeichnungen. Da die Stadt in der Wüste liegt, haben früher alle Menschen ihre Häuser mit Pflanzen bemalt, um sich trotzdem wie in einem Garten zu fühlen. Das Fort von Bikaner wurde während 350 Jahren erbaut, teilweise von einem englischen Architekt, der auch den Palast gebaut hat, in dem wir heute schlafen. Wir spazierten durch die verschiedenen mit bunten Blumen geschmückten Räume, stiegen Treppen, machten an einem Springbrunnen Halt, an dem früher immer das Farbenfest gefeiert wurde, bei dem Farbe in den Brunnen geleert wurde und die Menschen sich gegenseitig anspritzten. Auf einer Zeichnung konnte man die neusten Errungenschaften Indiens erkennen: Die Dampflokomotive, das Dampfschiff und die Elektrizität, welche seltsamerweise als ein von Kühen gezogener Wagen dargestellt wurde. Später gingen wir in den neueren Teil des Forts, wo Waffen ausgestellt sind und Fotos die Wände tapezieren. Ein Maharaja bekam nach dem ersten Weltkrieg ein Flugzeug als Dankeschön, welches nun auch im Fort steht. Nach der Besichtigung des Forts wollten meine Mutter und ich noch auf den Markt, hauptsächlich um einen Stoffladen zu suchen, in dem wir vor vier Jahren Saris gekauft hatten. Sandra war müde und brauchte etwas Zeit für sich, deshalb liess die sich ins Hotel bringen. Der Markt in Bikaner ist vom Verkehr her der anstrengenste, auf dem ich je war, man geht permanent auf der Hauptstrasse, dafür sich die Verkäufer weniger penetrant als an anderen Orten. Wir fanden das Geschäft prompt wieder (meine Mutter kaufte einen Sari), dann gingen wir weiter, suchten und fanden die Gewürze, die die Inder immer nach dem Essen zu sich nehmen, schauten noch Schuhe und Fusskettchen an, dann kehrten auch wir ins Hotel zurück. Unser Zimmer ist so gigantisch, dass man sich gar nicht richtig wohl fühlt darin. Das Abendessen nahmen wir im Gartenrestaurant "ausserhalb" (zwei Schritte vom Tor entfernt) unseres Hotels ein, es war günstig und sehr lecker.

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Samstag, 2. August 2008

2.8. Jaisalmer

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Heute trafen wir um neun unseren Guide, dann gings los zum ersten Punkt unserer Sightseeing-Tour: einen künstlichen See ausserhalb der Stadt. Da Jaisalmer seit 1965 Wasserleitungen hat, wird der See nicht mehr als Trinkwasserspeicher benutzt, doch früher holten alle ihr Wasser aus dem See, in den aus 40km Umkreis alles Regenwasser fliesst. Unser Guide erklärte uns, dass es vier verschiedene Endungen bei indischen Stadtnamen gibt: -mer heisst, dass sie Stadt auf einen Hügel gebaut wurde, -ner, dass die Stadt in einer flachen Umgebung steht. Mit den Muslimen kam die Endung -bad auf, was Stadt bedeutet, diese Endung wurde dann von den Hindus in -pur übersetzt. Kleine Anekdote zum See: Eine Kurtisane baute einen Gate zum See. Da die Menschen eifersüchtig waren, gingen sie zum Maharaja und beschwerten sich, dass ein Gate von einer Kurtisane eine Schande sei. Der Maharaja befahl, den Gate am nächsten Tag zu zerstören. Die Kurtisane war in grosser Not, doch dann kam ihr eine Idee: Sie stellte eine Krishna-Statue auf den Gate. Als die Soldaten das am nächsten Tag sahen, weigerten sie sich, den Gate zu zerstören, da er nun ein Tempel war. So steht er heute noch, der Maharaja meidet aber bis heute diesen Weg zum See. Danach zeigte uns unser Guide einige Gräber. Da Hindus ihre Toten normalerweise verbrennen, waren wir erstaunt und fragten nach einer Erklärung: Hinduismus entstand aus zwei Strömungen; eine verehrte Götter, die andere die Natur. Deshalb wurde die Natur personalisiert. Einige Menschen, die die Natur mehr verehren als die Götter, wollen sich nicht verbrennen lassen, einerseits weil sie in der Erde sein wollen, andererseits weil man zum verbrennen Bäume fällen muss. Diese Menschen werden senkrecht im Lotussitz begraben. Früher zog man diese speziellen Menschen hinzu, um Verbrechen zu klären, da sie mit Geistern in Verbindung stehen. Doch heute mit der modernen Technologie braucht man sie eigentlich nicht mehr.
Der zweite Punkt unserer Besichtigungen war das Fort. Heute leben immer noch 3500 Menschen darin, es ist das zweitgrösste Fort in ganz Rajasthan. Darin besichtigten wir zwei Jain-Tempel. Jains essen keine Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln, einerseits weil es Wurzeln sind, aber auch da sie "eigenes" Leben haben (lässt man sie liegen, wachsen sie) und man sie geteilt in den Boden stecken kann und sie trotzdem wachsen. Beim Jainismus geht es vor allem darum, seine Bedürfnisse zu überwinden. Deshalb gehen Jains ohne Schuhe, essen und trinken bestimmte Dinge nicht, eigentlich sind auch Freundschaften und Liebe gegen die Prinzipien der Jains, da sie abhängig machen. Aus diesem Grund sind auch Götter anderer Religionen in den Jaintempeln abgebildet, da sie sich nicht von anderen Göttern beeinflussen lassen und diese überwinden wollen. Jains meditieren mit offenen Augen, da es so schwieriger, aber wenn man es schafft, auch ruhmreicher ist.
Nach der Besichtigung der Tempel (nasse Füsse, da man die Schuhe ausziehen muss und die Tempel nicht überall ein Dach haben) spazierten wir noch ein wenig durch Jaisalmer, betrachteten Havelis (= Häuser mit guter Luftzirkulation), liessen uns zum Tuctuc-Parkplatz chauffieren und starteten unsere Shoppingtour. Wir besuchten zahlreiche kleine Geschäfte, kauften Schmuck. Ein Mondsteinarmband, das ich mir kaufen wollte, war mir zu gross. Der Silberschmied entfernte sofort zwei Steine und machte mir daraus Ohrringe. Später assen wir in einem kleinen Restaurant, genau zu diesem Zeitpunkt begann es sintflutartig zu regnen. Kaum hatten wir zu Ende gegessen, hörte der Regen auf. Danach begaben wir uns zu dem Ort, wo wir mit unserem Fahrer abgemacht hatten. Da wir zu früh waren, tranken wir noch einen Tee. Neben mir sass ein Mann, er war wunderschön, aber so dreckig und seine Kleider waren so verschlissen, dass man auf den ersten Blick erkannte, dass er auf der Strasse lebt. Da Sandra zwanzig Rupien hatte, die derart zerknüllt waren, dass man sie kaum noch benutzen konnte, gab sie meine Mutter ihm heimlich in die Hand. Als Sandra sich umdrehte, strahlte der Mann, als hätte er einen Millionengewinn erhalten. Als Mr. Rampal uns abholte, sagte er, er habe als es zu regenen begann, auf das Telefon angerufen, von dem aus wir ihn zuvor angerufen hatten (um zu sagen, dass wir ihn zwei Stunden später als zunächst besprochen treffen wollen) um uns abzuholen, aber "no Chandra, no Ana"! Als wir das Hotel erreichten, erklärte unser Fahrer, dass in dieser Stadt der Mann arbeite, der so gut Flöte spiele. Er hatte Sandra von ihm erzählt, da sie sich eine Flöte gekauft hatte. Wir fuhren zwei Minuten bis zum nächsten Hotel, wo der Mann schon auf uns wartete. Er war etwa sechzig Jahre als, hatte einen grossen Schnauz und trug eine Uniform. Auf einer selbstgebastelten Flöte spielte er uns vor, er schaute jedem von uns lange in die Augen, es war so berührend und wunderschön. Als Sandra ihm fünfzig Rupien gab, freute er sich riesig, rannte um uns die Wagentür zu öffen, gab allen die Hand, winkte uns nach.
Um halb zehn am Abend hörten Sandra und ich plötzlich Trommeln und gingen dann nochmals hinaus, um der packenden Musik zuzuhören.
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Freitag, 1. August 2008

1.8. Jodhpur - Jaisalmer

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Heute war ein langer, schöner Tag. Zuerst gingen wir auf den Markt in Jodhpur, wo wir einen alten, englischen Glockenturm umrundeten, in dessen Nähe wir einen kleinen Laden betraten um Tücher zu kaufen. In solchen Geschäften ist selten ein Verkäufer allein, in dem Shop heute sassen viele Menschen, darunter ein wunderschönes Mädchen, das kein Wort Englisch sprach, aber ein derart umwerfendes, schüchternes Lächeln hatte, dass ich ganz verlegen wurde. Nachdem wir die Hauptmarktstrasse hinabgeschlendert waren, auf dem Weg noch Armreifen gekauft hatten, bogen wir rechts ab und gerieten in eine kleine Seitengasse, in der ein alter Mann zu tanzen begann, als er uns sah, ein Heiliger auf einem Elefant vorbei ritt und wir einen richtigen, auf der Strasse gekauften, indischen Tee tranken. In einem winzigen Shop kauften Sandra und meine Mutter handgemachte Batiktücher für 85 Rupien (etwas mehr als 2.- CHF) pro Stück. Bei unserem Fahrer angekommen, betraten wir noch einen Gewürzladen, der dieser uns empfahl, da wir auf der Suche nach Vanille waren. Der Besitzer verlangte für eine Vanillestange 65 Rupien (1.70 CHF)! Meine Mutter fühlte sich übers Ohr gehauen und verliess wütend den Shop, der Verkäufer folgte uns auf die Strasse, verhandelte mit Mr. Rampal, schliesslich siegte meine Mutter und bezahlte pro Stange nur 40 Rupien (1.- CHF), also etwa gleich viel wie in der Schweiz. Der Verkäufer war begeistert vom Feilschen meiner Mutter, sagte, dass er von ihr Lehren sollte und liess sich von ihr die Backe küssen. Als wir abfahren wollten, erklärte uns unser Driver, dass wir noch zwei Minuten warten müssen, da ein Junge, den er geschickt hatte, gerade Eis für die Kühlbox für unser Wasser holte. Da meine Mutter ein Lassi wollte, schickte unser Fahrer noch einen zweiten Jungen los, der ihr das Getränk organisierte. Dann ging die Reise nach Jaisalmer los.



Nach wenigen Minuten Fahrt legten wir einen ersten Stopp ein, um einen kleinen Tempel zu besichtigen, vor dem Lotus wuchs. Zuerst betrachteten wir die wunderschönen Blumen von Nahem, dann betraten wir den Tempel, in dem ein „Altar“ für Shiva stand, der mit Blättern und Blumen geschmückt war. Als Zeremonie übergiesst man den „Altar“ mit Wasser aus dem Ganges. Im Tempel war auch ein Yogi, der jeden Morgen und Abend ein Gebet spricht und sich den Rest des Tages entspannt. Nachdem wir noch eine Süssigkeit aus Milch probiert hatten, ging es weiter. Neben den Strassen, die durch die Halbwüste Thar führen, sieht man immer wieder Ansammlungen von bunt gekleideten Arbeiterinnen, die Schüsseln tragen oder Löcher graben. Bei einer solchen Gruppe machten wir Halt. Mr. Rampal erklärte uns, dass diese Frauen Bäume pflanzen. Sofort waren wir von etwa 15 Frauen umringt. Eine fasste Sandras Haare an und wollte Shampoo, eine andere betrachtete meine Ohrringe aus Kokosnuss und zeigte vergleichend auf ihre Goldkette. Wie gaben ihnen alle Seifen und Shampoos, die ich in den letzten Tagen in den Hotels zusammengesammelt hatte, und es reichte bei Weitem nicht. Der nächste Stopp liess nicht lange auf sich warten: Wir besuchten eine Familie, die in einem dort üblichen Lehmhäuschen wohnt. Zuerst zeigte unser Fahrer uns die Kochstelle für schlechtes Wetter, welche in einem kleinen Hüttchen mit einem Strohdach (oder Bambus?) war, das der Vater der Familie selbst gebaut hatte. Es hatte eine Kochnische, einige Töpfe, an der Decke in einem Tuch hingen Zwiebeln. Wir durften von einem Brot kosten, dann von einem Curry, das aus Linsenmehl gemacht wurde, und da es uns so gut schmeckte, fragten wir, ob wir dort Mittagessen dürfen. Freudig wurden wir mit Brot und Curry versorgt und nach einigem Zögern probierten wir sogar das uns angebotene Büffel-Ziegenmilch-Lassi, das aber so sauer war, dass wir es nicht trinken konnten. Nach der köstlichen Mahlzeit wollten wir noch ein paar Fotos machen. Die Kinder drängten sich darum, wer vorne stehen durfte, ich musste sie immer wieder zurückwinken, da sonst niemals alle auf ein Foto gepasst hätten. Als ich ihnen die Fotos zeigte, entstand eine riesige Aufregung, jeder zeigte auf sein Gesicht auf dem Foto, helle Begeisterung herrschte. Als wir weiterfuhren, liefen uns die Kinder winkend und schreiend nach.
Den Rest des Weges versuchten wir ohne Zwischenhalt zurückzulegen. Zweimal stoppten wir um Fotos von Rad schlagenden Pfauen zu machen, einmal um uns vor einer riesigen Sanddüne fotografieren zu lassen. In unserem Hotel für die nächsten zwei Nächte, das wieder beinahe ein Palast ist, assen wir Abendessen. Da meine Mutter ein grosses Menü bestellte, wurde ihr Teller mit einer geschnitzten Tomate, in der eine Kerze brannte, geschmückt. Sie strahlte wie ein Geburtstagskind.
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