Heute trafen wir um neun unseren Guide, dann gings los zum ersten Punkt unserer Sightseeing-Tour: einen künstlichen See ausserhalb der Stadt.
Da Jaisalmer seit 1965 Wasserleitungen hat, wird der See nicht mehr als Trinkwasserspeicher benutzt, doch früher holten alle ihr Wasser aus dem See, in den aus 40km Umkreis alles Regenwasser fliesst. Unser Guide erklärte uns, dass es vier verschiedene Endungen bei indischen Stadtnamen gibt: -mer heisst, dass sie Stadt auf einen Hügel gebaut wurde, -ner, dass die Stadt in einer flachen Umgebung steht. Mit den Muslimen kam die Endung -bad auf, was Stadt bedeutet, diese Endung wurde dann von den Hindus in -pur übersetzt. Kleine Anekdote zum See: Eine Kurtisane baute einen Gate zum See. Da die Menschen eifersüchtig waren, gingen sie zum Maharaja und beschwerten sich, dass ein Gate von einer Kurtisane eine Schande sei. Der Maharaja befahl, den Gate am nächsten Tag zu zerstören. Die Kurtisane war in grosser Not, doch dann kam ihr eine Idee: Sie stellte eine Krishna-Statue auf den Gate. Als die Soldaten das am nächsten Tag sahen, weigerten sie sich, den Gate zu zerstören, da er nun ein Tempel war. So steht er heute noch, der Maharaja meidet aber bis heute diesen Weg zum See. Danach zeigte uns unser Guide einige Gräber. Da Hindus ihre Toten normalerweise verbrennen, waren wir erstaunt und fragten nach einer Erklärung: Hinduismus entstand aus zwei Strömungen; eine verehrte Götter, die andere die Natur. Deshalb wurde die Natur personalisiert. Einige Menschen, die die Natur mehr verehren als die Götter, wollen sich nicht verbrennen lassen, einerseits weil sie in der Erde sein wollen, andererseits weil man zum verbrennen Bäume fällen muss. Diese Menschen werden senkrecht im Lotussitz begraben. Früher zog man diese speziellen Menschen hinzu, um Verbrechen zu klären, da sie mit Geistern in Verbindung stehen. Doch heute mit der modernen Technologie braucht man sie eigentlich nicht mehr.Der zweite Punkt unserer Besichtigungen war das Fort. Heute leben immer noch 3500 Menschen darin, es ist das zweitgrösste Fort in ganz Rajasthan. Darin besichtigten wir zwei Jain-Tempel. Jains essen keine Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln, einerseits weil es Wurzeln sind, aber auch da sie "eigenes" Leben haben (lässt man sie liegen, wachsen sie) und man sie geteilt in den Boden stecken kann und sie trotzdem wachsen. Beim Jainismus geht es vor allem darum, seine Bedürfnisse zu überwinden. Deshalb gehen Jains ohne Schuhe, essen und trinken bestimmte Dinge nicht, eigentlich sind auch Freundschaften und Liebe gegen die Prinzipien der Jains, da sie abhängig machen. Aus diesem Grund sind auch Götter anderer Religionen in den Jaintempeln abgebildet, da sie sich nicht von anderen Göttern beeinflussen lassen und diese überwinden wollen. Jains meditieren mit offenen Augen, da es so schwieriger, aber wenn man es schafft, auch ruhmreicher ist.
Nach der Besichtigung der Tempel (nasse Füsse, da man die Schuhe ausziehen muss und die Tempel nicht überall ein Dach haben) spazierten wir noch ein wenig durch Jaisalmer, betrachteten Havelis (= Häuser mit guter Luftzirkulation), liessen uns zum Tuctuc-Parkplatz chauffieren und starteten unsere Shoppingtour. Wir besuchten zahlreiche kleine Geschäfte, kauften Schmuck.
Ein Mondsteinarmband, das ich mir kaufen wollte, war mir zu gross. Der Silberschmied entfernte sofort zwei Steine und machte mir daraus Ohrringe. Später assen wir in einem kleinen Restaurant, genau zu diesem Zeitpunkt begann es sintflutartig zu regnen. Kaum hatten wir zu Ende gegessen, hörte der Regen auf. Danach begaben wir uns zu dem Ort, wo wir mit unserem Fahrer abgemacht hatten. Da wir zu früh waren, tranken wir noch einen Tee. Neben mir sass ein Mann, er war wunderschön, aber so dreckig und seine Kleider waren so verschlissen, dass man auf den ersten Blick erkannte, dass er auf der Strasse lebt. Da Sandra zwanzig Rupien hatte, die derart zerknüllt waren, dass man sie kaum noch benutzen konnte, gab sie meine Mutter ihm heimlich in die Hand. Als Sandra sich umdrehte, strahlte der Mann, als hätte er einen Millionengewinn erhalten. Als Mr. Rampal uns abholte, sagte er, er habe als es zu regenen begann, auf das Telefon angerufen, von dem aus wir ihn zuvor angerufen hatten (um zu sagen, dass wir ihn zwei Stunden später als zunächst besprochen treffen wollen) um uns abzuholen, aber "no Chandra, no Ana"! Als wir das Hotel erreichten, erklärte unser Fahrer, dass in dieser Stadt der Mann arbeite, der so gut Flöte spiele. Er hatte Sandra von ihm erzählt, da sie sich eine Flöte gekauft hatte. Wir fuhren zwei Minuten bis zum nächsten Hotel, wo der Mann schon auf uns wartete. Er war etwa sechzig Jahre als, hatte einen grossen Schnauz und trug eine Uniform. Auf einer selbstgebastelten Flöte spielte er uns vor, er schaute jedem von uns lange in die Augen, es war so berührend und wunderschön. Als Sandra ihm fünfzig Rupien gab, freute er sich riesig, rannte um uns die Wagentür zu öffen, gab allen die Hand, winkte uns nach. Um halb zehn am Abend hörten Sandra und ich plötzlich Trommeln und gingen dann nochmals hinaus, um der packenden Musik zuzuhören.
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