Sonntag, 3. August 2008

3.8. Jaisalmer - Bikaner

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Heute ging die Reise bereits um halb neun los. Da im Hotel in Jaisalmer die Klimaanlage nicht wirklich funktionstüchtig war, hatten wir alle schlecht geschlafen und waren sehr müde. Unseren ersten Halt legten wir bei einer Horde Kinder ein. Sie waren schmutzig und genauso wie die anderen Kinder hell begeistert, als ich ihnen ihr Bild auf der Kamera zeigte. Wir schenkten ihnen Shampoo und Seifen, die wir von den Hotels gesammelt hatten, und weiter ging die Fahrt. Plötzlich hielt unser Fahrer wieder an und machte uns auf die zahlreichen Schmetterlinge aufmerksam, die am Strassenrand herumflatterten. Diese Schmetterlinge sind nur in solchen Massen vorhanden, wenn es gut geregnet hat. Leider halten sie sich am liebsten bei der Strasse auf, weshalb sie oft gegen die Scheiben der Autos und Lastwagen fliegen und sterben, aber es war wunderschön, ihnen zuzuschauen, es wirkte fast, als ob es leicht schneien würde. In einem kleinen Lokal assen wir für wenig Geld ein leckeres Mahl. Wenn man in Indien an einem Bahnübergang warten muss, bis der Zug vorbeigefahren ist, kriegt man gratis ein Mus aus Linsen, Zucker und Nüssen. Unser Fahrer erklärte, dass die meisten Menschen die Speise in Plastiksäcke schütten und später essen oder weiterverarbeiten. Nach dem Mittagessen besuchten wir noch einen heiligen See, der auf dem Weg nach Bikaner war. Er war so voller Lotus, dass wir unseren Augen kaum trauen konnten. Man fährt durch die Wüste und plötzlich fährt man vor einem Gewässer voller blühenden Blumen. An einer anderen Stelle am See, an die wir fuhren um Fotos zu machen, kamen sofort Bettelkinder angerannt. Meine Mutter schenkte ihnen Bananen, die sie sofort heisshungrig verschlangen. Mr. Rampal erklärte uns darauf, dass ihr das grosses Glück bringe, da sie vor einem heiligen See Arme beschenkt habe.
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In Bikaner angekommen, erwartete uns unser Guide um uns das Fort zu zeigen. Bikaner ist weltweit bekannt für seine Kamelzucht und für seine botanischen Zeichnungen. Da die Stadt in der Wüste liegt, haben früher alle Menschen ihre Häuser mit Pflanzen bemalt, um sich trotzdem wie in einem Garten zu fühlen. Das Fort von Bikaner wurde während 350 Jahren erbaut, teilweise von einem englischen Architekt, der auch den Palast gebaut hat, in dem wir heute schlafen. Wir spazierten durch die verschiedenen mit bunten Blumen geschmückten Räume, stiegen Treppen, machten an einem Springbrunnen Halt, an dem früher immer das Farbenfest gefeiert wurde, bei dem Farbe in den Brunnen geleert wurde und die Menschen sich gegenseitig anspritzten. Auf einer Zeichnung konnte man die neusten Errungenschaften Indiens erkennen: Die Dampflokomotive, das Dampfschiff und die Elektrizität, welche seltsamerweise als ein von Kühen gezogener Wagen dargestellt wurde. Später gingen wir in den neueren Teil des Forts, wo Waffen ausgestellt sind und Fotos die Wände tapezieren. Ein Maharaja bekam nach dem ersten Weltkrieg ein Flugzeug als Dankeschön, welches nun auch im Fort steht. Nach der Besichtigung des Forts wollten meine Mutter und ich noch auf den Markt, hauptsächlich um einen Stoffladen zu suchen, in dem wir vor vier Jahren Saris gekauft hatten. Sandra war müde und brauchte etwas Zeit für sich, deshalb liess die sich ins Hotel bringen. Der Markt in Bikaner ist vom Verkehr her der anstrengenste, auf dem ich je war, man geht permanent auf der Hauptstrasse, dafür sich die Verkäufer weniger penetrant als an anderen Orten. Wir fanden das Geschäft prompt wieder (meine Mutter kaufte einen Sari), dann gingen wir weiter, suchten und fanden die Gewürze, die die Inder immer nach dem Essen zu sich nehmen, schauten noch Schuhe und Fusskettchen an, dann kehrten auch wir ins Hotel zurück. Unser Zimmer ist so gigantisch, dass man sich gar nicht richtig wohl fühlt darin. Das Abendessen nahmen wir im Gartenrestaurant "ausserhalb" (zwei Schritte vom Tor entfernt) unseres Hotels ein, es war günstig und sehr lecker.

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