Um neun gings los Richtung Mandawa. Da unser Fahrer gemerkt hatte, dass wir gerne Kontakt mit Menschen haben, versuchte er Frauen zu überreden, dass wir sie fotografieren dürfen und ihnen dafür Shampoos schenken.
Was bisher überall geklappt hatte, funktionierte hier gar nicht. Die Frauen waren alle sehr schüchtern. Schliesslich konnte er trotzdem ein Mädchen und eine alte Frau überzeugen, welche, kaum hatten wir ihnen 15 Rupien gegeben, ein Tuctuc riefen und sich heimfahren liessen. Sonst verlief die Reise ohne Unterbruch, ereignislos wäre aber das falsche Wort, da für mich auch nach zehn Tagen jedes Haus noch aufregend ist. Als wir ein kleines Dorf kurz vor Mandawa erreichten, welches in einer Vertiefung liegt, war alles überschwemmt. Kein vernünftiger Schweizer würde solche Pfützen im Auto durchqueren, in Indien tun es alle.In Mandawa betrachteten wir mit unserem Guide die mit Fresken bemalten Havelis. Die Bilder sind circa 150 Jahre alt, werden aber kaum geschützt oder restauriert, da es Privathäuser sind. Die Regierung ist dabei ein Gesetz durchzusetzen, dass die Bewohner der Havelis entweder die Fresken restaurieren oder das Haus der Regierung verkaufen müssen. Die vier Hauptmotive der Bilder sind hinduistische Mythologie, das Alltagsleben, englische Einflüsse und Erotik. Die Havelis in Mandawa sind immer gleich aufgebaut: Es gibt zwei Innenräume, im ersten ist auf einer Seite der Raum des Buchhalters (da die Bewohner Mandawas alles begnadete Kaufmänner waren), auf der anderen Seite ist das Gästezimmer. Im zweiten Innenraum wohnte die Familie. Die Schlafzimmer der alten Leute waren im Erdgeschoss, die der jüngeren waren im ersten Stock. In Indien ist es immer noch so, dass die ganze Familie in einem Haus wohnt, was dann etwa 40 bis 50 Menschen sein können. Als es donnerte, hörten wir viele Pfaue schreien (das tönt ähnlich wie das Miauen von Katzen). Unser Guide erklärte uns, dass Pfauen einerseits wenn es sehr warm ist nach Wasser schreien, andererseits aber Angst vor Regen haben und auch deshalb brüllen. Nach der Besichtigung assen wir in einem kleinen Restaurant, dann fuhren wir in unser Hotel in Alsisar. Alsisar ist ein kleines, schmutziges Dörfchen ohne Markt.
Viele Maharajas, die es auch heute noch gibt, aber keine politische Macht mehr haben, liessen ihre Paläste in Hotels umfunktionieren, in einem solchen Hotel schliefen wir heute Nacht. Als wir mit unserem Auto in den Hof fuhren, begannen einige Angestellte ohrenbetäubende Musik mit Flöte, Gesang und Trommel zu spielen. Uns kugelnd vor Lachen und Erstaunen stiegen wir aus, kriegten einen Punkt auf die Stirn und einen grässlichen Welcome-Drink, dann betraten wir unser Zimmer, das uns wieder einmal den Atem verschlug: Es war wie aus einem Märchen. Ein Bild, das ich im Internet gefunden und lange als Desktophintergrund benutzt hatte (Krishna und seine Frau auf einer Schaukel) hing in unserem Zimmer. Zufall oder Schicksal? Wir machten noch einen Spaziergang durch das Dorf, wo es unzählige einst wunderschöne, nun verlotternde Häuser hat und man das Gefühl bekommt, dass fast nie Touristen das Dorf besuchen. Das Abendessen nahmen wir im Restaurant des Hotels zu uns, im Dorf gab es dazu keine Möglichkeit. Nun heisst es Packen und sich langsam, zweifelnd und unwillig mit dem Gedanken der Heimkehr anzufreunden.`
`

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen