Heute war ein langer, schöner Tag. Zuerst gingen wir auf den Markt in Jodhpur, wo wir einen alten, englischen Glockenturm umrundeten, in dessen Nähe wir einen kleinen Laden betraten um Tücher zu kaufen. In solchen Geschäften ist selten ein Verkäufer allein, in dem Shop heute sassen viele Menschen, darunter ein wunderschönes Mädchen, das kein Wort Englisch sprach, aber ein derart umwerfendes, schüchternes Lächeln hatte, dass ich ganz verlegen wurde. Nachdem wir die Hauptmarktstrasse hinabgeschlendert waren, auf dem Weg noch Armreifen gekauft hatten, bogen wir rechts ab und gerieten in eine kleine Seitengasse, in der ein alter Mann zu tanzen begann, als er uns sah, ein Heiliger auf einem Elefant vorbei ritt und wir einen richtigen, auf der Strasse gekauften, indischen Tee tranken. In einem winzigen Shop kauften Sandra und meine Mutter handgemachte Batiktücher für 85 Rupien (etwas mehr als 2.- CHF) pro Stück. Bei unserem Fahrer angekommen, betraten wir noch einen Gewürzladen, der dieser uns empfahl, da wir auf der Suche nach Vanille waren. Der Besitzer verlangte für eine Vanillestange 65 Rupien (1.70 CHF)! Meine Mutter fühlte sich übers Ohr gehauen und verliess wütend den Shop, der Verkäufer folgte uns auf die Strasse, verhandelte mit Mr. Rampal, schliesslich siegte meine Mutter und bezahlte pro Stange nur 40 Rupien (1.- CHF), also etwa gleich viel wie in der Schweiz. Der Verkäufer war begeistert vom Feilschen meiner Mutter, sagte, dass er von ihr Lehren sollte und liess sich von ihr die Backe küssen. Als wir abfahren wollten, erklärte uns unser Driver, dass wir noch zwei Minuten warten müssen, da ein Junge, den er geschickt hatte, gerade Eis für die Kühlbox für unser Wasser holte. Da meine Mutter ein Lassi wollte, schickte unser Fahrer noch einen zweiten Jungen los, der ihr das Getränk organisierte. Dann ging die Reise nach Jaisalmer los. 
Nach wenigen Minuten Fahrt legten wir einen ersten Stopp ein, um einen kleinen Tempel zu besichtigen, vor dem Lotus wuchs. Zuerst betrachteten wir die wunderschönen Blumen von Nahem, dann betraten wir den Tempel, in dem ein „Altar“ für Shiva stand, der mit Blättern und Blumen geschmückt war. Als Zeremonie übergiesst man den „Altar“ mit Wasser aus dem Ganges. Im Tempel war auch ein Yogi, der jeden Morgen und Abend ein Gebet spricht und sich den Rest des Tages entspannt. Nachdem wir noch eine Süssigkeit aus Milch probiert hatten, ging es weiter. Neben den Strassen, die durch die Halbwüste Thar führen, sieht man immer wieder Ansammlungen von bunt gekleideten Arbeiterinnen, die Schüsseln tragen oder Löcher graben. Bei einer solchen Gruppe machten wir Halt. Mr. Rampal erklärte uns, dass diese Frauen Bäume pflanzen. Sofort waren wir von etwa 15 Frauen umringt. Eine fasste Sandras Haare an und wollte Shampoo, eine andere betrachtete meine Ohrringe aus Kokosnuss und zeigte vergleichend auf ihre Goldkette. Wie gaben ihnen alle Seifen und Shampoos, die ich in den letzten Tagen in den Hotels zusammengesammelt hatte, und es reichte bei Weitem nicht. Der nächste Stopp liess nicht lange auf sich warten: Wir besuchten eine Familie, die in einem dort üblichen Lehmhäuschen wohnt. Zuerst zeigte unser Fahrer uns die Kochstelle für schlechtes Wetter, welche in einem kleinen Hüttchen mit einem Strohdach (oder Bambus?) war, das der Vater der Familie selbst gebaut hatte. Es hatte eine Kochnische, einige Töpfe, an der Decke in einem Tuch hingen Zwiebeln. Wir durften von einem Brot kosten, dann von einem Curry, das aus Linsenmehl gemacht wurde, und da es uns so gut schmeckte, fragten wir, ob wir dort Mittagessen dürfen. Freudig wurden wir mit Brot und Curry versorgt und nach einigem Zögern probierten wir sogar das uns angebotene Büffel-Ziegenmilch-Lassi, das aber so sauer war, dass wir es nicht trinken konnten. Nach der köstlichen Mahlzeit wollten wir noch ein paar Fotos machen. Die Kinder drängten sich darum, wer vorne stehen durfte, ich musste sie immer wieder zurückwinken, da sonst niemals alle auf ein
Foto gepasst hätten. Als ich ihnen die Fotos zeigte, entstand eine riesige Aufregung, jeder zeigte auf sein Gesicht auf dem Foto, helle Begeisterung herrschte. Als wir weiterfuhren, liefen uns die Kinder winkend und schreiend nach.Den Rest des Weges versuchten wir ohne Zwischenhalt zurückzulegen. Zweimal stoppten wir um Fotos von Rad schlagenden Pfauen zu machen, einmal um uns vor einer riesigen Sanddüne fotografieren zu lassen. In unserem Hotel für die nächsten zwei Nächte, das wieder beinahe ein Palast ist, assen wir Abendessen. Da meine Mutter ein grosses Menü bestellte, wurde ihr Teller mit einer geschnitzten Tomate, in der eine Kerze brannte, geschmückt. Sie strahlte wie ein Geburtstagskind.
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