Donnerstag, 31. Juli 2008

31.7. Udaipur - Ranakpur - Jodhpur


Um halb acht Frühstück, luxuriös wie immer, um neun Abfahrt Richtung Ranakpur. Obwohl es keine lange Stracke ist, brauchten wir ca. zweieinhalb Stunden, einerseits weil wie den längeren Weg über die Berge wählten, andererseits weil Teile der Strasse wegen Bauarbeiten für den neuen Highway sehr schwierig zu befahren waren. Die Landschaft war traumhaft. Da der Tag etwas dunstig war, sahen die dichten Wälder gleich noch verwunschener aus. Wie durchquerten Dörfer, sahen Menschen auf den Feldern arbeiten, fuhren an Schafen, Kamelen und Ziegen vorbei. Nachdem wir 15km am Stück im Zickzack den Berg hinuntergekurvt waren, erreichten wir Ranakpur. Ranakpur ist ein Jaintempel, der im Urwald erbaut wurde, da zur Zeit der Gründung alle Tempel von den Moguln zerstört wurden, auch noch heute ist das nächste Dorf 10km entfernt. Der Tempel hat 84 Kuppeln, vier davon sind besonders gross, von diesen vier ist die neuste die schönste, man kann von Kuppel zu Kuppel die handwerklichen Fortschritte beobachten. Die Baudauer beträgt 63 Jahre, am Bauwerk beteiligt waren täglich 1500 Menschen. Ranakpur ist dem 24. Propheten des Jainismus gewidmet, welcher, obwohl er der letzte Prophet war, die Religion bekannt machte und deshalb als Gründer behandelt wird. Im Inneren des Tempels befinden sich Statuen der 24 Propheten und 1444 sorgfältig in Marmor geschnitzte Säulen.



Jains sind Vegetarier und essen nur, was oberhalb der Erde wächst, sie betreiben auch eine Landwirtschaft, da sie beim Bearbeiten des Bodens Insekten töten könnten. Sie arbeiten als Geschäftsmänner und sind im Allgemeinen eher reich. Es gibt zwei verschiedene Sorten von Jains; solche, die sich weiss kleiden und andere, die sich gelb anziehen oder nackt sind. Zur zweiten Sorte gehören allerdings nur Männer. Die Jains sind gegen das Kastensystem, sie glauben, dass jeder Mensch von jeder Kaste etwas in sich hat. Dazu noch etwas zur indischen Farbenlehre: rot steht für Energie, gelb-orange für Weiheit und Reinheit, weiss für Frieden, grün für das Gedeihen und die Natur und violett-orange für Liebe und Zuneigung.
Nachdem wir uns von unserem Guide verabschiedet hatten, ging die Fahrt weiter nach Jodhpur. Zu Beginn war die Landschaft hügelig und sehr grün, doch mit der Zeit wurde sie karger, flacher, wüstenähnlicher. Bei einer Wasserträgerin machten wir Halt um sie zu fotografieren. Sofort versammelten sich Kinder um uns, wir verteilten Stifte, irgendwann kam eine ältere Frau, die eine Schüssel auf dem Kopf trug, welche Sandra kurz auf ihren Kopf zu stellen versuchte, sie aber aus Angst vor Flöhen und weil sie sehr schwer war schnell wieder zurückgab. Später besuchten wir einen Shiva-Tempel, der uns unser Fahrer erklärte. Der Tempel ist 700 Jahre alt und mit zahlreichen bunten Bildern versehen, die uns Mr. Rampal in seinem brüchigen Englisch so gut wie möglich zu erklären versuchte. In der Mitte des Tempels opferte er Blumen und wir bekamen einen orangen Punkt auf die Stirn, die Farbe dafür wird aus geriebenem Sandelholz gewonnen. Nachdem wir den Tempel verlassen hatten, knackte Mr. Rampal eine Kokosnuss, schüttete die Milch in ein Marmorbecken und schenkte einen Teil der Frucht einigen Kindern, die vor dem Tempel herumlungerten, den anderen teilte er mit uns, dazu assen wir Zucker. Einen weiteren Stopp machten wir, um eine Töpferei zu besuchen. Der Junge dort führte uns kurz sein Handwerk vor, er liess vor unseren Augen auf einer Töpferplatte, die er mit einem langen Stecken drehte, eine Vase und ein Sparschwein innert vielleicht zwei Minuten entstehen. Ich kaufte einen Ganesh, Sandra eine Teelichtschildkröte und einen Aschenbecher und weiter ging die Fahrt. Da Mami unbedingt in einem kleinen Laden in einem kleinen Dorf Tücher kaufen wollte, legten wir noch einen Halt ein. Im ersten Geschäft verlangte der Verkäufer für ein Tuch aus synthetischem Stoff 200 Rupien (ca. 5 CHF), im nächsten Shop, nur drei Schritte nebenan, kosteten vier Tücher der gleichen Art 150 Rupien. Heute Nacht wieder in einem Luxushotel. Was soll man sagen? Sweet life, sweet people.

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Mittwoch, 30. Juli 2008

30.7. Deogarh - Udaipur

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Um sieben gabs Frühstück, das Personal war enttäuscht und überrascht, weil wir weder Omeletten, noch Saft, noch Süssgebäck essen wollten. Abfahrt um halb neun nach Udaipur. Wir fuhren an herrlichen Hügellandschaften, Marmorminen und immer wieder an Palmen vorbei. Einmal machten wir eine Klopause in einem Hotel für Inder (also nicht in einem Luxusschuppen für Touristen), ich durfte die Toilette in einem der Gästezimmer benutzen und war positiv überrascht von dem schönen Raum, der abgesehen von dem doch ziemlich schmutzigen Bad absolut touristentauglich war. Kurz vor Udaipur besichtigten wir noch einen Shivatempel, der kurz nach 700 v. Chr. gebaut wurde. Wir bestaunten das riesige Bauwerk, während meine Mutter, weil sie ihre Strümpfe nicht ausziehen wollte, draussen wartete und mit ein paar indischen Frauen, die ihre Babies auf dem Arm hielten, redete. Danach gab es eine kurze Fotosession (Sandra und meine Mutter hielten je ein Baby), danach gings weiter Richtung Hotel. Um halb eins kam unser Guide um uns Udaipur zu zeigen. Zuerst gingen wir in den City Palace, welcher der zweitgrösste Palast in ganz Indien ist. Auf der Fahrt regnete es sintflutartig, kaum waren wir beim Palast angekommen war es vorbei, wir genossen einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Das Gebäude war wunderschön und voller Gemälde, denn Udaipur ist berühmt für seine Malerei. Was mich erstaunte, ist dass ein Bild eine Geschichte erzählt, der König ist also z.B. an verschiedenen Stationen abgebildet, wie ein Comic ohne Kästchen. Wenn ein Paar heiratet, malt man in Udaipur einen Elefanten und ein Pferd an die Hauswand, daneben je nachdem Mann oder Frau. Der Palast ist 500m lang und 200m breit, der Speisesaal und das Schlafzimmer des Maharani (noch höhere Persönlichkeit als Maharaja) waren voller Spiegel und Glas, allein beim Anschauen konnte einem schwindelig werden. Überall waren Häken in den Decken angebracht um Fächer oder Schaukeln daran zu befestigen. In einem Raum war ein riesiges Abbild vom Sonnengott. Der Sonnengott wurde vom Maharani jeden Morgen angebetet, wenn es jedoch regnete, kam er vor das goldene Standbild, da er die Sonne nicht sehen konnte. Nach der Besichtigung des Palastes gingen wir in einen Tempel ganz in der Nähe, der ebenfalls Shiva geweiht war. Im Hinduismus gibt es vier Kasten: Die oberste sind Priester und Menschen, die heilige Arbeit verrichten, die zweite sind regierende und schützende Personen, die dritte sind Handelsmänner und die vierte arbeitet mit schmutzigen Dingen. Da es auch vier Himmelsrichtungen und vier Seiensarten (Dämonen, Tiere, Menschen und Götter) gibt, hat das Swastika (indisches Hakenkreuz) vier Arme. Verbindet man die äussersten Punkte, gibt es einen Kreis, der für den Lebenskreis steht. Wenn man einen Tempel betritt, tut man stets fünf Dinge: Räucherstäbchen (Riechen), Punkt auf die Stirn (Tasten), Süssigkeiten (Schmecken), Blumen (Sehen), Glocke läuten (Hören).



Udaipur ist die Stadt der Seen und hat drei künstlich angelegte Seen. Wir betrachteten vom Auto aus die etwas ausgetrockneten Seen, danach besuchten wir noch einen wunderschönen Garten, der für die "royal ladies" angelegt worden war. In Udaipur hat es ziemlich viele Touristen und eine schöne, kleine Marktstrasse, an die wir uns anschliessend fahren liessen und die Geschäfte plünderten: Zuerst eine Flöte für Sandra (aus Bambus), dann betraten wir einen Shop mit handgemachten Ledertaschen aus Kamelleder. Sandra und ich kauften und die selbe Tasche in verschiedenen Farben, da nun aber der zweite Platzregen dieses Tages herabprasselte, blieben wir noch ein wenig im Geschäft. Schnell stellte sich heraus, dass der junge Mann, dem der Laden gehört, noch einen Shop mit Lederbüchlein hat. Er liess uns ein paar der Bücher kommen, als es nur noch tröpfelte gingen wir die paar Meter zum Geschäft, wo wir Chai und günstige, handgemachte Bücher bekamen. Die Shoppingtour setzte sich fort im Kauf von Gürteln, weiter über Halstücher und endete in handgemalten Karten. Danach verliessen wir den Markt fluchtartig und suchten ein Restaurant für das Nachtessen auf. Zurück im Hotel konnte meine Mutter nicht in ihr Zimmer, da ihre Schlüsselkarte nicht funktionierte, also wurde ein richtiger Schlüssel aufgeboten, die defekte Tür geöffnet und das Schloss geföhnt und siehe da, das Problem war behoben.

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Dienstag, 29. Juli 2008

29.7. Jaipur - Pushkar - Deogarh


Morgenessen, um neun Uhr Abfahrt nach Pushkar. Nach etwa zwei Stunden Fahrt trafen wir dort eine lokale Vertretung, die uns in einen Tempel führte. Einen hinduistischen Tempel betritt man stets ohne Schuhe und durchwandert ihn von links nach rechts. In den Marmorboden waren Namen verstorbener Menschen eingraviert. Die Blumen, die man opfert, stehen für Wünsche, deshalb legten wir je eine Blume, die wir ausserhalb des Tempels bekommen hatten, in die Mitte des Tempels und wünschten uns etwas. Während wir den Tempel bewunderten, versuchte unser Guide, uns die hinduistische Kultur etwas näher zu bringen, erzählte Geschichten und erklärte die verschiedenen Attribute der Götter. God steht im Hinduismus für Generator (Schöpfer), Operator (Erhalter) und Destroyer (Zerstörer), deshalb gibt es die drei Hauptgötter: Brahma, Vishnu und Shiva. Die Süssigkeiten, die man im Tempel bekommt, symbolisieren das süsse Leben. Jeder Wochentag ist einem Gott gewidmet. Da hinduistische Frauen einen der drei heiligen Bäume von links nach rechts umrunden und sich ein langes Leben für den Ehemann wünschen, taten Sandra und ich in Gedenken an unsere Liebsten zuhause dasselbe. Die Blumen, die wir übrig hatten, durften wir dann in den heiligen See in Pushkar werfen, in dem Vishnu eine Zeremonie mit seiner zweiten Frau gefeiert hatte. Dazu wurde ein Priester herangezogen, dem wir ein Mantra nachsprachen (Guru, Ganesh, good life, sweet job, sweet family etc.). Meine Mutter beteiligte sich nicht daran, Sandra und ich warfen die heiligen Dinge (Blumen für Wünsche, rotes Pulver für Reinigung, gelbes Pulver für Geld, Reis für Nahrung, Zucker für süsses Leben) fachgerecht in den grünen See, kriegten ein gelb-rotes Band für ein gutes Karma angezogen, zahlten unsere Spende und verliessen ein wenig bedrängt den Ghat. Ein schöner Spaziergang den blauen Häusern entlang führte uns zurück zu unserem Auto.
Auf der Weiterreise nach Deogarh wurde die Landschaft immer trockener, Palmen und Kaktusse durchzogen die Steppe. Bei einem Car hielt unser Driver unerwartet an und zeigte uns die Frauen, die im Schatten des Fahrzeuges Bohnen und Brot zubereiteten. Er erklärte, dass sie aus Südindien kommen und in den Himalaya fahren. Sofort wollten uns alle fotografieren, weshalb auch wir unsere Hemmungen, von ihnen Bildern zu machen, ablegten. Eine der Frauen bereitete uns extra ein Brot zu, das wir mit grossem Genuss verspiesen. Während wir den Frauen zuschauten, kam eine alte Frau aus der Umgebung vorbei. Sie trug ein oranges Tuch, wunderschönen Schmuck, sie lachte herzlich. Wie alt sie ist, weiss sie selbst nicht, aber sie sagte, dass sie glücklich ist, wenn die Menschen, die ihr Land besuchen, glücklich sind. Was braucht man? Wasser, ein bisschen gelbe Linsen, ein bisschen Japati; das genügt. Auf der Weiterfahrt machten wir nochmals einen Stop um ein Mädchen beim Schöpfen von Wasser zu fotografieren. Sofort waren wir von fast zwanzig Kindern umringt, die alle fotografiert werden wollten und als Sandra Farbstifte verteilte wohl glücklicher waren als wir wären, wenn wir im Lotto gewinnen würden. Einige der Mädchen, die ich kaum älter als elt schätzte, sind schon verheiratet. Sie gehen alle einige Kilometer entfernt zur Schule. Als wir davonfuhren, wurden wir mit wildem Winken und Schreien verabschiedet.

Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir in Deogarh an, wo wir in einem Hotel direkt am Markt nächtigten. Ich war noch nie derart überwältigt von der Zimmergrösse und Einrichtung eines Hotels wie hier. Später besuchten wir den Markt, wo wir erst Tücher für uns kauften (ich habe schon Sonnenbrand), dann kauften wir Armreifen. Der Besitzer des Geschäftes freute so sehr, dass er sofort Frau und Sohn holte, er schmückte mich mit Armreifen, Kette, Hosenschmuck, Bindi und einer Kette im Haar, wovon ich schliesslich nur die Armreifen und den Haarschmuck kaufte, aber trotzdem selbstklebende Nasenpiercings bekam. Danach wurden wir von einem Mädchen angesprochen, ihren Shop zu besuchen. Sie ist 14 Jahre alt, geht in die achte Klasse und hat vier Schwestern. Von einer Horde Kinder begleitet betraten wir ihren Laden, wo wir drei Paar Ohrringe kauften und als Geschenk Nasenpiercings bekamen. Was mich beeindruckte war das Feilschen und sichere Auftreten des Mädchens. Sie wird einmal eine gute Geschäftsfrau werden. Schon die Kleinsten sitzen vor den Shops ihrer Eltern und bieten ihre Güter an. Später assen im Hotel Abendessen. Auf dem Balkon bestaunten wir Sterne und unzählige Blitze in der Ferne. Bis jetzt war es der schönste Tag der Reise.
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Montag, 28. Juli 2008

28.7. Jaipur


Um 7:45 gab es Frühstück, ausführlich wie immer, um neun fuhren wir ab zum Fort Amber. Gegen unsere Annahme konnte man nicht nur mit dem Elefant oder dem Tuctuc den Hügel bezwingen, sondern auch mit dem Auto. Wir fuhren also in strömendem Regen wunderschönen, zerfallenen Palästen und Tempeln entlang zum Fort empor, warteten bis es zu regnen aufhörte und gingen dann los auf Entdeckungstour. Vor dem Eingang des Forts war ein riesiges Geschrei, ein Durcheinander von Händlern, Elefantentreibern und Bettlern, danach bis zum glitzernden Spiegelsaal ein Touristenchaos, dann ein Labyrinth von engen Gängen und Kammern. Von den Balkonen aus konnte man eine über die Hügel gezogene Mauer bestaunen, die die Landschaft noch schöner machte. Nachdem wir genug herumgeirrt waren, gingen wir zurück zu Mr. Rampal, der uns in den Shop von gestern fuhr, um unsere Schulden zu begleichen. Dort gab es wieder Tee, wir kriegten je ein Oberteil geschenkt und entschieden uns wegen der brütenden Hitze den Mittag drinnen zu verbringen. Dort assen wir Mangos und Bananen. Nach einem erquickenden Mittagsschlaf gingen wir auf den Markt, es war ein wenig anstrengend (please, come to my shop! Shoes 50 Rupies! You smile like an english girl! Maybe after?), aber wir kauften dennoch fleissig ein. Danach wurden wir durch die bittenden Hundeblicke unseres Fahrers überredet, in einen superedlen Schmuckladen zu gehen, den wir aber wegen Geldmangel schnell wieder verliessen. Mr. Rampal führte uns noch in einen Tempel, in dem es für einen indischen Tempel sehr still war, er war weiss und an einige Wände waren seltsame Bilder gemalt.


Diesen anstrengenden, kostspieligen Tag wollten wir in einem guten Restaurant ausklingen lassen, doch... sagen wir, Touristen mit Ausschnitten bis zum Bauchnabel und Ärschen so breit wie die von Elefanten, schlaksige, taktlose Engländer beim indischen Tanz und sich vollstopfende Amerikaner sind nicht ganz unsere Kragen- oder Kleiderweite. So schnell wie möglich beendeten wir also das Mahl und liessen uns zurück ins Hotel chauffieren, wo der Verkäufer aus dem Shop vorbeikam um uns unsere Kleider vorzuführen und zu übergeben. Jedes Stück wurde anprobiert, begutachtet und schliesslich mit einem Foto (das wir ihm unbedingt schicken sollen!) verewigt. Nach zehn Uhr stolperten wir endlich todmüde in unser Zimmer, wo wir gemachte Betten, zwei Birnen und zwei Pralinés vorfanden.


Sonntag, 27. Juli 2008

27.7. Agra - Fathepur Sikri - Jaipur


Morgenessen gab es in unserem Luxushotel: Früchte, Datteln, Japati, Curry, Muffins, etc. Um neun Uhr Abfahrt, auf dem Weg holten wir unseren Guide ab, eine Stunde Weg bis nach Fathepur Sikri.


Eigentlich hat die Stadt drei Namen: Siegerstadt, verlassene Stadt und Geisterstadt. Gebaut wurde sie von Akbar. Akbar wünschte sich einen Sohn, da er keinen bekam ging er zu einem Heiligen, der ihn und seine Frau segnete. Neun Monate später brachte die hinduistische Frau einen Jungen zur Welt. Akbar ging dem Heiligen zu Ehren zu Fuss von Agra bis Fathepur Sikri und bat seinen Retter, bei ihm in Agra zu wohnen. Dieser wollte nicht, weil er in seiner Stadt genug Gläubige hatte. Deshalb baute Akbar eine neue Residenz in Fathepur Sikri.

Nach der Besichtigung verabschiedeten wir uns von unserem Guide und fuhren weiter nach Jaipur. Winkende Männer, Frauen und Kinder, Dreck, Pfaue, Ruinen, überall Pfützen. Zu Mittag assen wie in einem Restaurant auf dem Weg, ich bestellte nur Nan mit Knoblauch, da ich in der Hitze keinen grossen Hunger hatte. Sechs Stunden nachdem wir in Fathepur Sikri abgefahren waren, erreichten wir Jaipur. Wunderschöne, verbröckelte Gebäude stehen am Strassenrand und warten auf den Zerfall. Es regnete. Wie checkten in unser Hotel, welches direkt am See liegt, ein, dass besuchten wir ein Textilgeschäft und kauften zwei Stunden lang ein. Sandra kaufte sich einen Kaschmirschal und ein massgeschneidertes Oberteil, meine Mutter kaufte einen Rock, ein Oberteil und einen Bettüberwurf mit Kissen, all diese Dinge musste der Schneider bis zum nächsten Abend nähen, dann kaufte sie noch einen Sari für Sara. Ich gönnte mir auch ein massgeschneidertes Oberteil.
Später gingen wir in ein kleines Restaurant, wo Frauen zu Gesang Volkstänze aufführten. Sandra ass spärlich, irgendwann sass sie nur noch schweigend am Tisch, weil ihr Bauch schmerzte. Vor lauter Verzweiflung bestellte sie einen Whisky, welcher in einem anderen Geschäft geholt werden musste, ihr versteckt serviert wurde und in der Rechnung als "hot juice" vermerkt war.

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Samstag, 26. Juli 2008

26.7. Delhi - Sikandra - Agra


Ankunft in Delhi um 00:05. Von einer lokalen Vertretung von Cox and Kings (unserer Reisegesellschaft) und unserem Fahrer für die Reise wurden wir zum Hotel gebracht. Beim Rausschauen aus dem Auto sahen wir Dreck, schlafende Menschen, ab und zu einen Tempel. Da Delhi die Gastgeberstadt der olympischen Spiele sein wird, werden alle Strassen neu betoniert und der Verkehr floss beinahe so flüssig wie unser Schweiss. Etwa um halb zwei erreichten wir unser Hotel. Als ich das Zimmer meiner Mutter betrat, erlebte ich den ersten Schock der Reise; es war ein kleiner, dunkler Raum
ohne Fenster, muffig und trostlos. Den zweiten Schock erlebten wir in unserem Zimmer; ein knallbuntes Kinderzimmer mit einem an die Decke gemalten Glücksrad, einem blauen Sofa mit Vögelchen, zahlreichen Spiegelchen an den Wänden, einem in Stoff gehüllten Fernseher, das Badezimmer war mit blauen Plättchen gekachelt, dazwischen waren Plättchen mit Bildern darauf, eines davon vom Matterhorn. Wir lagen bis um halb drei zeitweise Tränen lachend wach, irgendwann überfiel uns trotz schreienden Katzen und lärmiger Klimaanlage der Schlaf, bis um halb fünf der Muezzin in der benachbarten Moschee zum Gebet zu singen begann.
Morgens um halb acht gab es Frühstück (Toast, seltsame Reisbrötchen, Japati), um halb neun bekamen wir alle nötigen Dokumente von einer anderen lokalen Vertretung, dann gings los Richtung Agra.
Einen ersten Halt legten wir ein, um Geld abzuheben, dann einen zweiten um Wasser zu kaufen, was sich als ziemlich schwierig herausstellte, da wir mit 100 Rupien bezahlten (etwa 2.50 CHF), wofür die Verkäuferin kein Rückgeld hatte, einen dritten Stopp legten wir ein, um Mangos und Bananen zu kaufen. Während der Fahrt beobachteten wir schmutzige Strassenkinder, bettelnde Affen, überfüllte Züge und Autos. Wenn in einem Car für 55 Leute Platz ist, ist in Indien für etwa 200 darin Platz. Wenn man aus dem Auto steigt, trifft einen der Hitzeschlag. Noch kurz zu unserem Auto und unserem Fahrer: Unser Wagen ist weiss, hat sechs Sitzplätze, und ist zum Glück klimatisiert. Unser Fahrer heisst Mr. Rampal, ist 36 Jahre alt, Vater von drei Kindern (die Tochter ist 13, ein Sohn 8, der andere 3) und fährt das halbe Jahr Touristen herum, das andere halbe Jahr ist er Bauer. Lässt man Delhi hinter sich, ist man umzingelt von Wiesen, Bäumen, Reis-, Zuckerrohr-, und Linsenfeldern. Kamele, Elefanten und Wasserbüffel schmücken die Landschaft, zweimal fuhren wir an einem Unfall vorbei. Unterwegs assen wir als Lunch ein Samosa.
Nachmittags erreichten wir Sikandra, ein altes Grabmal. Auf den Büschen davor flatterten so viele Schmetterlinge herum wie im Butterflyworld in Miami.



Akbar, der Sikandra erbaut hatte, hatte drei Frauen: eine Hindu, eine Muslimin und eine Katholikin. Er wurde vom Volk nur "Akbar The Great" genannt. Akbar war allen Religionen gegenüber sehr offen, was sich in seinem Grabmal eindrücklich zeigt: Elemente der drei Religionen (das christliche Kreuz, das hinduistische Swastika, persische Symmetrie und Muster) schmücken das Gebäude. Wunderschöne Muster zieren die Eingangshalle, das Grabmal an sich (das ist nur ein Raum) ist sehr schlicht, aber genau symmetrisch, obwohl es damals eigentlich das Werkzeug um das zu erreichen noch nicht gab. Das Grabmal ist umgeben von einem riesigen, symmetrischen Park mit Antilopen.
In Agra angekommen checkten wir ins Hotel Trident ein, dafür (und zwar nur dafür) ist ein Vertreter der Reisegesellschaft gekommen. Wir richteten uns in dem luxuriösen Hotel ein, wo die Angestellten im Gang stehenbleiben und einen mit aneinander gelegten Händen begrüssen, wenn man an ihnen vorbeigeht. Danach besuchten wir das Taj Mahal: Die Bauzeit des Gebäudes beträgt 22 Jahre, es benötigte 20'000 Arbeiter, zu den damaligen Verhältnisse, wo zehn Gramm Gold fünf Rupien kosteten, war das Taj Mahal 3 Billionen USD wert. Eine Lotusblume im Inneren des Bauwerks besteht aus 84 Steinstücken, die als Mosaik zusammengefügt wurden. Während dem Betrachten des Grabmals wurden wir drei Mal gebeten, für Fotos mit Indern zu posieren, einmal mit einer alten Frau, die uns danach sehr heftig umarmte, und ihrem Mann, einmal mit fünf Kindern, der Vater beobachtete sie ganz stolz, und das letzte Mal mit zwei Männern. Unzählige Male wurden wir auch versteckt von Handykameras geknipst. Dunkle Augen verfolgten uns auf Schritt und Tritt. Im Park tummelten sich Streifenhörnchen und Papageien. Kaum waren wir zurück im Hotel, stürzten wir uns in den Pool, bis es zu heftig regnete. Das Abendessen nahmen wir auf dem Zimmer zu uns.
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