Um halb acht Frühstück, luxuriös wie immer, um neun Abfahrt Richtung Ranakpur. Obwohl es keine lange Stracke ist, brauchten wir ca. zweieinhalb Stunden, einerseits weil wie den längeren Weg über die Berge wählten, andererseits weil Teile der Strasse wegen Bauarbeiten für den neuen Highway sehr schwierig zu befahren waren. Die Landschaft war traumhaft. Da der Tag etwas dunstig war, sahen die dichten Wälder gleich noch verwunschener aus. Wie durchquerten Dörfer, sahen Menschen auf den Feldern arbeiten, fuhren an Schafen, Kamelen und Ziegen vorbei. Nachdem wir 15km am Stück im Zickzack den Berg hinuntergekurvt waren, erreichten wir Ranakpur. Ranakpur ist ein Jaintempel, der im Urwald erbaut wurde, da zur Zeit der Gründung alle Tempel von den Moguln zerstört wurden, auch noch heute ist das nächste Dorf 10km entfernt. Der Tempel hat 84 Kuppeln, vier davon sind besonders gross, von diesen vier ist die neuste die schönste, man kann von Kuppel zu Kuppel die handwerklichen Fortschritte beobachten. Die Baudauer beträgt 63 Jahre, am Bauwerk beteiligt waren täglich 1500 Menschen. Ranakpur ist dem 24. Propheten des Jainismus gewidmet, welcher, obwohl er der letzte Prophet war, die Religion bekannt machte und deshalb als Gründer behandelt wird. Im Inneren des Tempels befinden sich Statuen der 24 Propheten und 1444 sorgfältig in Marmor geschnitzte Säulen.

Jains sind Vegetarier und essen nur, was oberhalb der Erde wächst, sie betreiben auch eine Landwirtschaft, da sie beim Bearbeiten des Bodens Insekten töten könnten. Sie arbeiten als Geschäftsmänner und sind im Allgemeinen eher reich. Es gibt zwei verschiedene Sorten von Jains; solche, die sich weiss kleiden und andere, die sich gelb anziehen oder nackt sind. Zur zweiten Sorte gehören allerdings nur Männer. Die Jains sind gegen das Kastensystem, sie glauben, dass jeder Mensch von jeder Kaste etwas in sich hat. Dazu noch etwas zur indischen Farbenlehre: rot steht für Energie, gelb-orange für Weiheit und Reinheit, weiss für Frieden, grün für das Gedeihen und die Natur und violett-orange für Liebe und Zuneigung. 
Nachdem wir uns von unserem Guide verabschiedet hatten, ging die Fahrt weiter nach Jodhpur. Zu Beginn war die Landschaft hügelig und sehr grün, doch mit der Zeit wurde sie karger, flacher, wüstenähnlicher. Bei einer Wasserträgerin machten wir Halt um sie zu fotografieren. Sofort versammelten sich Kinder um uns, wir verteilten Stifte, irgendwann kam eine ältere Frau, die eine Schüssel auf dem Kopf trug, welche Sandra kurz auf ihren Kopf zu stellen versuchte, sie aber aus Angst vor Flöhen und weil sie sehr schwer war schnell wieder zurückgab. Später besuchten wir einen Shiva-Tempel, der uns unser Fahrer erklärte. Der Tempel ist 700 Jahre alt und mit zahlreichen bunten Bildern versehen, die uns Mr. Rampal in seinem brüchigen Englisch so gut wie möglich zu erklären versuchte. In der Mitte des Tempels opferte er Blumen und wir bekamen einen orangen Punkt auf die Stirn, die Farbe dafür wird aus geriebenem Sandelholz gewonnen. Nachdem wir den Tempel verlassen hatten, knackte Mr. Rampal eine Kokosnuss, schüttete die Milch in ein Marmorbecken und schenkte einen Teil der Frucht einigen Kindern, die vor dem Tempel herumlungerten, den anderen teilte er mit uns, dazu assen wir Zucker. Einen weiteren Stopp machten wir, um eine Töpferei zu besuchen. Der Junge dort führte uns kurz sein Handwerk vor, er liess vor unseren Augen auf einer Töpferplatte, die er mit einem langen Stecken drehte, eine Vase und ein Sparschwein innert vielleicht zwei Minuten entstehen. Ich kaufte einen Ganesh, Sandra eine Teelichtschildkröte und einen Aschenbecher und weiter ging die Fahrt. Da Mami unbedingt in einem kleinen Laden in einem kleinen Dorf Tücher kaufen wollte, legten wir noch einen Halt ein. Im ersten Geschäft verlangte der Verkäufer für ein Tuch aus synthetischem Stoff 200 Rupien (ca. 5 CHF), im nächsten Shop,
nur drei Schritte nebenan, kosteten vier Tücher der gleichen Art 150 Rupien. Heute Nacht wieder in einem Luxushotel. Was soll man sagen? Sweet life, sweet people.
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