Morgenessen, um neun Uhr Abfahrt nach Pushkar. Nach etwa zwei Stunden Fahrt trafen wir dort eine lokale Vertretung, die uns in einen Tempel führte. Einen hinduistischen Tempel betritt man stets ohne Schuhe und durchwandert ihn von links nach rechts. In den Marmorboden waren Namen verstorbener Menschen eingraviert. Die Blumen, die man opfert, stehen für Wünsche, deshalb legten wir je eine Blume, die wir ausserhalb des Tempels bekommen hatten, in die Mitte des Tempels und wünschten uns etwas. Während wir den Tempel bewunderten, versuchte unser Guide, uns die hinduistische Kultur etwas näher zu bringen, erzählte Geschichten und erklärte die verschiedenen Attribute der Götter. God steht im Hinduismus für Generator (Schöpfer), Operator (Erhalter) und Destroyer (Zerstörer), deshalb gibt es die drei Hauptgötter: Brahma, Vishnu und Shiva. Die Süssigkeiten, die man im Tempel bekommt, symbolisieren das süsse Leben. Jeder Wochentag ist einem Gott gewidmet. Da hinduistische Frauen einen der drei heiligen Bäume von links nach rechts umrunden und sich ein langes Leben für den Ehemann wünschen, taten Sandra und ich in Gedenken an unsere Liebsten zuhause dasselbe. Die Blumen, die wir übrig hatten, durften wir dann in den heiligen See in Pushkar werfen, in dem Vishnu eine Zeremonie mit seiner zweiten Frau gefeiert hatte. Dazu wurde ein Priester herangezogen, dem wir ein Mantra nachsprachen (Guru, Ganesh, good life, sweet job, sweet family etc.). Meine Mutter beteiligte sich nicht daran, Sandra und ich warfen die heiligen Dinge (Blumen für Wünsche, rotes Pulver für Reinigung, gelbes Pulver für Geld, Reis für Nahrung, Zucker für süsses Leben) fachgerecht in den grünen See, kriegten ein gelb-rotes Band für ein gutes Karma angezogen, zahlten unsere Spende und verliessen ein wenig bedrängt den Ghat. Ein schöner Spaziergang den blauen Häusern entlang führte uns zurück zu unserem Auto. Auf der Weiterreise nach Deogarh wurde die Landschaft immer trockener, Palmen und Kaktusse durchzogen die Steppe. Bei einem Car hielt unser Driver unerwartet an und zeigte uns die Frauen, die im Schatten des Fahrzeuges Bohnen und Brot zubereiteten. Er erklärte, dass sie aus Südindien kommen und in den Himalaya fahren. Sofort wollten uns alle fotografieren, weshalb auch wir unsere Hemmungen, von ihnen Bildern zu machen, ablegten. Eine der Frauen bereitete uns extra ein Brot zu, das wir mit grossem Genuss verspiesen. Während wir den Frauen zuschauten, kam eine alte Frau aus der Umgebung vorbei. Sie trug ein oranges Tuch, wunderschönen Schmuck, sie lachte herzlich. Wie alt sie ist, weiss sie selbst nicht, aber sie sagte, dass sie glücklich ist, wenn die Menschen, die ihr Land besuchen, glücklich sind. Was braucht man? Wasser, ein bisschen gelbe Linsen,
ein bisschen Japati; das genügt. Auf der Weiterfahrt machten wir nochmals einen Stop um ein Mädchen beim Schöpfen von Wasser zu fotografieren. Sofort waren wir von fast zwanzig Kindern umringt, die alle fotografiert werden wollten und als Sandra Farbstifte verteilte wohl glücklicher waren als wir wären, wenn wir im Lotto gewinnen würden. Einige der Mädchen, die ich kaum älter als elt schätzte, sind schon verheiratet. Sie gehen alle einige Kilometer entfernt zur Schule. Als wir davonfuhren, wurden wir mit wildem Winken und Schreien verabschiedet.Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir in Deogarh an, wo wir in einem Hotel direkt am Markt nächtigten. Ich war noch nie derart überwältigt von der Zimmergrösse und Einrichtung eines Hotels wie hier. Später besuchten wir den Markt, wo wir erst Tücher für uns kauften (ich habe schon Sonnenbrand), dann kauften wir Armreifen. Der Besitzer des Geschäftes freute so sehr, dass er sofort Frau und Sohn holte, er schmückte mich mit Armreifen, Kette, Hosenschmuck, Bindi und einer Kette im Haar, wovon ich schliesslich nur die Armreifen und den Haarschmuck kaufte, aber trotzdem selbstklebende Nasenpiercings bekam. Danach wurden wir von einem Mädchen angesprochen, ihren Shop zu besuchen. Sie ist 14 Jahre alt, geht in die achte Klasse und hat vier Schwestern. Von einer Horde Kinder begleitet betraten wir ihren Laden, wo wir drei Paar Ohrringe kauften und als Geschenk Nasenpiercings bekamen. Was mich beeindruckte war das Feilschen und sichere Auftreten des Mädchens. Sie wird einmal eine gute Geschäftsfrau werden. Schon die Kleinsten sitzen vor den Shops ihrer Eltern und bieten ihre Güter an. Später assen im Hotel Abendessen. Auf dem Balkon bestaunten wir Sterne und unzählige Blitze in der Ferne. Bis jetzt war es der schönste Tag der Reise.
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