Samstag, 26. Juli 2008

26.7. Delhi - Sikandra - Agra


Ankunft in Delhi um 00:05. Von einer lokalen Vertretung von Cox and Kings (unserer Reisegesellschaft) und unserem Fahrer für die Reise wurden wir zum Hotel gebracht. Beim Rausschauen aus dem Auto sahen wir Dreck, schlafende Menschen, ab und zu einen Tempel. Da Delhi die Gastgeberstadt der olympischen Spiele sein wird, werden alle Strassen neu betoniert und der Verkehr floss beinahe so flüssig wie unser Schweiss. Etwa um halb zwei erreichten wir unser Hotel. Als ich das Zimmer meiner Mutter betrat, erlebte ich den ersten Schock der Reise; es war ein kleiner, dunkler Raum
ohne Fenster, muffig und trostlos. Den zweiten Schock erlebten wir in unserem Zimmer; ein knallbuntes Kinderzimmer mit einem an die Decke gemalten Glücksrad, einem blauen Sofa mit Vögelchen, zahlreichen Spiegelchen an den Wänden, einem in Stoff gehüllten Fernseher, das Badezimmer war mit blauen Plättchen gekachelt, dazwischen waren Plättchen mit Bildern darauf, eines davon vom Matterhorn. Wir lagen bis um halb drei zeitweise Tränen lachend wach, irgendwann überfiel uns trotz schreienden Katzen und lärmiger Klimaanlage der Schlaf, bis um halb fünf der Muezzin in der benachbarten Moschee zum Gebet zu singen begann.
Morgens um halb acht gab es Frühstück (Toast, seltsame Reisbrötchen, Japati), um halb neun bekamen wir alle nötigen Dokumente von einer anderen lokalen Vertretung, dann gings los Richtung Agra.
Einen ersten Halt legten wir ein, um Geld abzuheben, dann einen zweiten um Wasser zu kaufen, was sich als ziemlich schwierig herausstellte, da wir mit 100 Rupien bezahlten (etwa 2.50 CHF), wofür die Verkäuferin kein Rückgeld hatte, einen dritten Stopp legten wir ein, um Mangos und Bananen zu kaufen. Während der Fahrt beobachteten wir schmutzige Strassenkinder, bettelnde Affen, überfüllte Züge und Autos. Wenn in einem Car für 55 Leute Platz ist, ist in Indien für etwa 200 darin Platz. Wenn man aus dem Auto steigt, trifft einen der Hitzeschlag. Noch kurz zu unserem Auto und unserem Fahrer: Unser Wagen ist weiss, hat sechs Sitzplätze, und ist zum Glück klimatisiert. Unser Fahrer heisst Mr. Rampal, ist 36 Jahre alt, Vater von drei Kindern (die Tochter ist 13, ein Sohn 8, der andere 3) und fährt das halbe Jahr Touristen herum, das andere halbe Jahr ist er Bauer. Lässt man Delhi hinter sich, ist man umzingelt von Wiesen, Bäumen, Reis-, Zuckerrohr-, und Linsenfeldern. Kamele, Elefanten und Wasserbüffel schmücken die Landschaft, zweimal fuhren wir an einem Unfall vorbei. Unterwegs assen wir als Lunch ein Samosa.
Nachmittags erreichten wir Sikandra, ein altes Grabmal. Auf den Büschen davor flatterten so viele Schmetterlinge herum wie im Butterflyworld in Miami.



Akbar, der Sikandra erbaut hatte, hatte drei Frauen: eine Hindu, eine Muslimin und eine Katholikin. Er wurde vom Volk nur "Akbar The Great" genannt. Akbar war allen Religionen gegenüber sehr offen, was sich in seinem Grabmal eindrücklich zeigt: Elemente der drei Religionen (das christliche Kreuz, das hinduistische Swastika, persische Symmetrie und Muster) schmücken das Gebäude. Wunderschöne Muster zieren die Eingangshalle, das Grabmal an sich (das ist nur ein Raum) ist sehr schlicht, aber genau symmetrisch, obwohl es damals eigentlich das Werkzeug um das zu erreichen noch nicht gab. Das Grabmal ist umgeben von einem riesigen, symmetrischen Park mit Antilopen.
In Agra angekommen checkten wir ins Hotel Trident ein, dafür (und zwar nur dafür) ist ein Vertreter der Reisegesellschaft gekommen. Wir richteten uns in dem luxuriösen Hotel ein, wo die Angestellten im Gang stehenbleiben und einen mit aneinander gelegten Händen begrüssen, wenn man an ihnen vorbeigeht. Danach besuchten wir das Taj Mahal: Die Bauzeit des Gebäudes beträgt 22 Jahre, es benötigte 20'000 Arbeiter, zu den damaligen Verhältnisse, wo zehn Gramm Gold fünf Rupien kosteten, war das Taj Mahal 3 Billionen USD wert. Eine Lotusblume im Inneren des Bauwerks besteht aus 84 Steinstücken, die als Mosaik zusammengefügt wurden. Während dem Betrachten des Grabmals wurden wir drei Mal gebeten, für Fotos mit Indern zu posieren, einmal mit einer alten Frau, die uns danach sehr heftig umarmte, und ihrem Mann, einmal mit fünf Kindern, der Vater beobachtete sie ganz stolz, und das letzte Mal mit zwei Männern. Unzählige Male wurden wir auch versteckt von Handykameras geknipst. Dunkle Augen verfolgten uns auf Schritt und Tritt. Im Park tummelten sich Streifenhörnchen und Papageien. Kaum waren wir zurück im Hotel, stürzten wir uns in den Pool, bis es zu heftig regnete. Das Abendessen nahmen wir auf dem Zimmer zu uns.
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